Max Pickel - Der Scherenschneider

Zu einer verbreiteten Volkskunst zählte früher das Scherenschneiden, die Möglichkeit, mit einfachsten Mitteln Gegenstände bildlich im Schattenriss darzustellen. Die Scherenschneider saßen dort, wo Menschen zusammentrafen, wie auf Jahrmärkten, zu Vogelschießen und vielen anderen volkstümlichen Anlässen. Sie schnitten in kurzer Zeit für wenige Pfennige des Profil der Neugierigen und Interessierten aus schwarzem Papier. Berühmt sind Scherenschnitte schon aus der Zeit Goethes und seines Weimarer Umfeldes

Nach erfolgreichem Abschluss des Lehrerseminars fand Max Pickel eine Anstellung an der Schule in Lauter. Deutsch, Literatur und Zeichnen waren seine Lieblingsfächer. Von 1945 bis 1949 war er Rektor dieser Schule.

Max Pickel gestaltete mit besonderer Liebe Motive aus unserer erzgebirgischen Heimat: die schwere Arbeit der Bergleute, Waldarbeiter, Bauern und Handwerker bei ihrer Tätigkeit; auch Blumen-, Kinder- und Tiermotive schnitt er aus dem schwarzen Papier. Etwas ganz Besonderes sind neben der bereits erwähnten Reihe zum Heilig-Ohmd-Lied die Darstellung Mein Weihnachtsberg und die weitberühmte Bergparade zum Schneeberger Streittag. Ganze Zyklen entstanden unter seinen nimmermüden Händen. Zu manch einem Büchlein lieferte er Illus­trationen. Aus besonderem Anlass gestaltete er auch für seine Freunde und be­freundeten Familien einen Scherenschnitt. Eine Reihe seiner Werke übernahmen Museen. Auf Ausstellungen - selbst in Dresden - wurden seine Arbeiten gezeigt. Aber auch die Feder legte er nicht aus der Hand, schrieb Aufführungen für Krip­penspiele und Geschichten.

Sein umfangreiches künstlerisches Schaffen betrieb Max Pickel bis ins hohe Al­ter, gefordert und unterstützt von seiner Frau Mathilde. Kein „runder" Geburtstag, zu dem nicht in Tageszeitungen, Fachzeitschriften, in der Monatszeitschrift „Glückauf" des Erzgebirgsvereines sein Wirken gewürdigt worden ist.

Christine und Horst Scharf schrieben in ihrer Broschüre "Scherenschnitte von Max Pickel, Lauter", erschienen im Mai 2007:

Gern saßen wir bei unseren Besuchen neben seinem Schreibtisch und sahen ihm bei seiner Arbeit zu, besonders meine Frau mit großem Interesse, um ihm etwas abzugucken. Bewundernswert, wie er mit seinen großen weichen Händen Schere und Messer zielstrebig ins schwarze Papier führte.

 

Manfred Blechschmidt schrieb in einem Artikel: "Pickels Scherenschnitten fehlen die filigranen Feinheiten. Er war immer der Auffassung, die Kunst des Scherenschnitts bestehe im Weglassen, denn nur dann könne das Wesentliche verdeutlicht werden."

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Max Pickel zählte zu den bekanntesten Scherenschneidern des Erzgebirges. Er wurde am 11. April 1884 in Nürnberg geboren, kam als kleiner Junge nach Stollberg im Erzgebirge. Hier besuchte er die Schule und besuchte von 1898 bis 1904 das Lehrerseminar in Schneeberg. Max Pickel und seine Frau Anna Mathilde hatten eine Tochter Annamarie Pickel, ihr Spitzname war auch Pickel-Mieze (* 21. März 1909 in Lauter/Sa.; † 21. Juli 2002 als Annemarie Scholze, geb. Pickel in Kempten/Allgäu). Eine Zeitlang war die Tochter „Pickel-Mieze“ Leiterin des Kindergartens im alten Hort.

Quellen:

www.wikipedia.org

Broschüre "Scherenschnitte von Max Pickel, Lauter", erschienen im Mai 2007

Artikel von F. A. Zimmer aus Bernsbach aus Anlass des 70. Geburtstages H. Uhlig in der Zeitschrift „Glückauf“ des EV von 1941

Festschrift zur 50 Jahr-Feier des Schulhauses Lauter, 1949

Lauter in alten Ansichten, Teil 1 und 2, Horst Scharf

In seiner Freizeit widmete er sich dem Scherenschnitt. Er hinterließ zahlreiche künstlerische Scherenschnitte, die heute zum Teil im Museum Erzgebirgisches Eisen und Zinn in Schwarzenberg/Erzgeb. aufbewahrt werden. Am bekanntesten wurde seine 1960 entstandene 14-teilige Reihe zum Heilig-Ohmd-Lied, die 1978 im Verlag Bild und Heimat Reichenbach (Vogtl.) als Ansichtspostkarten erschienen und 1983 aufgrund großer Nachfrage neu aufgelegt worden sind.

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Nach 1945 half er mit, Neulehrer auszubilden. 1953 trat er, nach 50 Jahren Schuldienst, in den Ruhestand ein. Max Pickel und seine Frau Mathilde wohnten viele Jahre in der Röderstraße 21, im Haus vom Walter Thiemer. Diesem ist es u. a. zu verdanken, dass das Handwerk des Spankorbflechtens in Lauter nicht in Vergessenheit geriet. Heute wird dieses Handwerk von Mitgliedern des EZV Lauter weiterhin gepflegt.

Am 24. September 1976 verstarben Max Pickel und seine Frau

durch einen tragischen Unglücksfall.

Auf dem Friedhof in Lauter fanden sie ihre letzte Ruhestätte.

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