Erwin Leistner

in Vorbereitung der Jubiläumsfeiern von Erwin Bauersachs und Albert Schädlich mussten wir feststellen, dass Erwin Leistner in der Geschichte von Lauter etwas in Vergessenheit geraten war. Zum Glück gibt es den Enkel Thomas Clajus, der uns Informationen zukommen ließ. Nachfogend zitieren wir auszugsweise aus seinem Brief, in dem er das Leben von Erwin Leistner aus seiner Sicht beschreibt.

Er betont ausdrücklich, dass das  von ihm Niedergeschriebene größtenteils aus mündlichen Überlieferungen seiner Mutter Frau Gerda Clajus stammt und durch leider wenige Unterlagen von ihm ergänzt und zusammengefügt wurde. Die Schilderungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und  hundertprozentig wahrheitsgemäße Interpretation.

 

Erwin lsidor Leistner, geb. 06.03 1881, gest. 30.10. 1946, war ursprünglich in der Gemeindeverwaltung Lauter in den Räumen des alten Gemeindegebäudes im Erdgeschoss rechts zunächst als Sparkassendirektor tätig. Irgendwann zu Beginn der Naziherrschaft übernahm er zusätzlich das Amt des Girokassendirektors. In dieser Doppelfunktion wurde er Mitglied der NSDAP und war dadurch für den Kriegsdienst ,,unabkömmlich". Er war nie ein Nazi, sondern wie der ebenfalis in der Gemeindevewaltung tätige Edwin Bauersachs nominelles Mitglied dieser Partei. Die Unabkömmlichkeit zum Kriegsdienst war ihm besonders wichtig, da er zu Hause eine Familie mit zunächst 7, später noch 6 Töchtern im jugendlichen Alter zu versorgen hatte. Mit dem Ende der Naziherrschaft wurde er ... aus dem Gemeindedienst entlassen und musste ohne jede Entlohnung die Strassen und Plätze in Lauter besenrein halten. Diese Demütigung führte neben der damals sehr schlechten Versorgungslage zu seiner Erkrankung und letztlich zu seinem Ableben 1946. Leider hatte er deshalb keine Chance mehr, sich wie Edwin Bauersachs rehabilitieren zu lassen.

gallery/leistner schädlich

Dem Vernehmen nach ging es Albert Schädlich in dieser Zeit materiell nicht besonders gut. Der vergleichsweise gute Verdienst meines Großvaters in der Gemeindeverwaltung trug neben seiner eigenen Heimatliebe und - verbundenheit dazu bei, Albert Schädlich in dessen heimatverbundenen Tätigkeit uneigennützig zu unterstützen. So schrieb er Verse und Lieder für ihn. Die Heimatliebe meines Großvaters und die herzliche Verbindung zu Albert Schädlich war deutlich überlagert durch die Freude an der Tätigkeit für die Heimat.

Ein Ausschnitt der Zeitung des Erzgebirgszweigvereins Berlin - West, dem die Tochter Marlene meines Großvaters und vermutiche Patentochter Schädlichs angehörte, beschreibt die Zusammenarbeit der ,,Lauterer Gevattern" etwas näher und erinnerte im damaligen Westberlin an die ,,ferne" Heimat Lauter. 

 

Sicher gehörten zum Nachlass der Tochter Marlene in Berlin weitere Unterlagen zu Leben und Wirken meines Großvaters. Bekannt ist auch, dass die oben erwähnte Tochter lsolde bis zu ihrem Ableben vor 4 Jahren in einem Pflegeheim in Köln Unterlagen in ihrem Besitz hatte, die herauszugeben sie jedoch strikt ablehnte. Schade, dass solche Unterlagen nicht mehr greif- bzw. verwertbar sind.
Thomas Clajus
Enkel des Erwin lsidor Leistner

Frühzeitig betätigte sich mein Großvater mit den Werten seiner erzgebirgischen Heimat. So war er in Heimat- und Sportgruppen aktiv und verfasste Lieder und Gedichte. Dies mag dazu beigetragen haben, dass er in engeren Kontakt zu Albert Schädlich kam. Zusammen mit diesem, der auch Pate einer seiner Töchter war, trat er zu öffentlichen Theatervorführungen im dramatischen Verein in Lauter auf. In diesem Zusammenhang entstanden ,,De Lauterer Gevattern", also die Mehrzahl des von Albert Schädlich erschaffenen ,,Dr Lauterer Gevatter". Ein Foto aus dieser Zeit ... belegt sein Schaffen mit Albert Schädlich. (v. li.: Erwin Leistner, Albert Schädlich)

(* 06.03 1881; † 30.10. 1946)